Historisches zum Volpertsberg
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Der Ursprung des Namens "Volpertsberg" ist nicht gesichert auszumachen. Das die Namensgebung im Zusammenhang mit dem, in Urkunden unserer Gegend aus dem 14.Jhdt. genannten "Volprecht von Dernbach" steht, ist eher unwahrscheinlich.
Die lokale Flurnamenforschung macht jedoch einen Zusammenhang des Namens mit der auch bei uns ehemals betriebenen Waldweidewirtschaft sehr wahrscheinlich, wie sich weiter unten im Text noch zeigen wird!

Die Landnutzung war in den zurückliegenden Jahrhunderten eine wesentlich Andere, als wir sie heute kennen.
Die vermutlich ersten "Kartopfeln" in Herbornseelbach wurden um 1792 hier oben auf dem "Engelscheid" (Bergsattel zwischen "Mermbach" und "Hirtenborn") angebaut. Kaum vorstellbar, dass man selbst in solch ungünstigen Lagen das Land noch kultivierte. Wie wir aus der Geschichte der Kartoffel jedoch wissen, war Diese zu Beginn ihrer Einführung in Deutschlandbei der Bevölkerung  nicht sehr beliebt. Es war wohl eine Art Versuchsanbau und man stellte dieser "fremden" Pflanze nicht unbedingt das beste Land zur Verfügung.
So pflanzte man sie hier oben an, in einer Gegend, die durch ihre Qualität eigentlich nur als Weide für das Vieh diente. Da die Kartoffel aber auch mit ungünstigen Bodenverhältnissen gut zurecht kommt, setzte sie sich in der Folge gegen den Buchweizen (auch "Heidekorn" genannt) durch, dessen Mehl in den Jahrhunderten zuvor eines der hiesigen Grundnahrungsmittel war .

Vor dem 30jährigen Krieg wurde der Berg noch als "Volperchsberg" bezeichnet, was sich auch  teils noch im örtlichen Dialekt wiederfindet. Hier handelt es sich wohl um den "vol" [mhd. für Schwein] "pherrich" [mhd. für Pferch od. Einzäunung], also den "Schweinepferch"- Berg.
Früher trieben die Seelbacher, wie vielerorts üblich, ihre Schweine zur Mast in die Wälder, so auch hier hinauf auf den Volpertsberg.

Oberhalb des "Moorsgrundes"

Der gesamte Berg war wohl mit einem Flechtzaun (sog. "Hürden") o.ä. umgeben, vermutlich entlang der späteren herrschaftlichen Grenze um den Volpertsberg. Trotzdem diese Gebiete als "Koppelhut" bewirtschaftet wurden (d.h. die gegenseitige Nutzungsdauer und Reihenfolge war festgelegt), gab es um diese entlegenen Gebiete zwischen den Ortschaften immer wieder Streit um die Nutzungsrechte.

"[...] Die Gemeinde Niederscheld hat mit Herbornseelbach den Volpertsberg gemeinsam behütet, befriedet und gebraucht, doch jetzt haben die Seelbacher ohne der Niederschelder Wissen unter der Vorspiegelung eines gräfl. Befehls Holz darin gehauen und Schweine gehütet. Die Gemeinde Niederscheld bittet, das zu besichtigen und abzuschaffen.
Die Seelbacher antworten, daß sie die gemeinsame Gerechtigkeit und das gemeinsame Eigentum am Volpertsberg den Niederscheldern bestreiten, da [nur] sie jederzeit einen Schütz und einen Förster darauf gehalten haben. Sie bitten um Abweisung des unbilligen Begehrens der Kläger und um Schutz in ihrem Eigentum, oder aber, wenn das nicht sein kann, um ordentliches Landrecht[sverfahren]. [...]" 1562

( Q.:    Die Siegener und Dillenburger Regierungsprotokolle Graf Johanns VI. von Nassau, 1561 bis 1562; Nr.75/15 )

Der bekannte Heimatforscher Otto Schäfer berichtet auch von vorgeschichtlichen Siedlungsstellen am Volpertsberg, leider ohne diese näher zu beschreiben. In "Land und Leute"  Beilage zur Dillzeitung 1963, schreibt er:
"... Der Volpertsberg gehört zu den vielen noch unerforschten alten Siedlungsgebieten und trägt - auch nach Rektor i.R. Gail - eine alte Landhege ..."
.
Was Otto Schäfer noch von den alten Dorfbewohnern zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts erfahren konnte, hat er leider nicht im Detail an uns überliefert. Bei der vermuteten alten Landheege könnte es sich um die alte Amtsgrenze handeln, die bereits zu nassauischer Zeit hier die Ämter Herborn und Dillenburg schied und entlang des südlichen Volpertsberg verlief.

Offenbar war der Berg vor dem 30jährigen Krieg ( < 1636 ) dann doch im Besitz der Seelbacher, denn ein kleiner Hinweis in den Dillenburger Renteirechnungen weißt auf Veränderungen in den Besitzverhältnissen, unmittelbar nach dem für unser Dorf verheerenden Kriegs - und Pestjahr 1635 hin.

"[ 1622 ] ... der Empfang von Linsen vom Medem zu Herbornseelbach ist gar so gering gewesen, erhalten nur 4 Mesten ..."

"[ 1634 ] ... der Gemeinde Herbornseelbach von dem in diesem Jahr schuldigen Korn 1 Malter 8 Mesten nachgelassen, da die Gemeinde durch das Kriegsvolk sehr verderbt ..."

"... Nachlaß Hafer: der Gemeinde Herbornseelbach nachgelassen 26 Malter, da selbige durch das Kriegsvolk ganz ruiniert ..."

"[ 1636 ] … Korn aus Gnaden : der Gemeinde nun und künftig ewiglich wegen Vertauschung des Volpersberges neben 2 Malter Hafer 1 gl. 8 alb. …"



Oben :    "Geometrischer Plan der Herrschaftlichen Waldung: Volbersberg, Siesenrein, Eichenheck und 
                  Herrschaftlichen wiesen zur Montzenbach", aus dem Jahr 1785.

Anzahl und Dichte der aus diesem Plan gewonnenen Flurnamen weisen auf eine intensive Nutzung durch die Bevölkerung hin, vermutlich stammen diese Namen aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg.
( Bsp.: Premen Thal, Schimmelches Booden, Meystangen, Dinckeln Booden, Mittelste- u. Hinterste Reifen booden, Moorsgrund, Dachs Booden, Kleiner- u. Großer Speiger Grund, Donsbachs Hoehe, Doernichter Booden, ... )

In einer sehr alten Beschreibung unserer Gemarkungsgrenze findet auch der Volpertsberg Erwähnung. Der Text zeugt von einer, schon damals bestehenden starken emotionalen Beziehung zu diesem Berg. Erstaunlich hierbei ist auch, das man bereits zu dieser Zeit die Schönheit des Berges hervorhebt.

[…], was
aber von Blickenwalt an biß uff den Nesseln
grund eine Zeit lang im streit gestanden,
davon haben wir das Unterthänigste veste
Vertrauen Eur. hochfürstl. durchl., werden
die Hohe gnade haben und in ansehung des
davor gegebenen unschätzbar schönen Volbersberg,
und der daran liegenden wiesen, unserm
in handen habenden Tauschbrief gemäß, ein […]

Quelle: Auszug HHStAW Abt. 171, Nr.H886

Die aus diesem Tauschhandel resultierende herrschaftliche Grenze um den Volpertsberg ist bis heute gültig und trennt noch immer Staats - und Gemeindewald. Viele alte herrschaftl. Grenzsteine und - zeichen zeugen noch von der einstigen Bedeutung dieser Grenze.

     

Wie hier links auf "Speierwerks Dinne" am Westhang des "Volpertsberg", oder entlang des, den "Volpertsberg" umfliesenden Monzenbachs (rechts).



Wie auf diesem hist. Foto in der Bildmitte deutlich zu erkennen, trennte diese herrschaftl. Grenze am Südhang des "Volpertsberg", bis vor wenigen Jahrzehnten noch den Staatswald von der Gemeinde-Viehweide.



Ansicht 2010




Aus dem historischen Tausch erklärt sich bis heute Lage und Verhältnis von Staatswald (dunkelgrün) zu Gemeinde-, bzw. Privatwald (hellgrün). Vgl. Karte von 1785.


Zu den wichtigsten Waldnutzungen in diesem Bereich gehörte in der Vergangenheit die Jagd. Die Grafen und Fürsten von Nassau ließen dabei einerseits Wild für den Verzehr an der höfischen Tafel schießen und veranstalteten andererseits Hofjagden als Teil des höfischen Lebens und zur Unterhaltung ihrer Besucher. Die Dienste der Untertanen, die sog. "Jagdfrohnden" waren bei der Bölkerung sehr unbeliebt, da sie die bäuerlichen Arbeiten behinderten.



Der "Kutschenplatz". Im Hintergrund "Donsbachs Höhe", heute ebenfalls noch als Volpertsberg bezeichnet.


Der so genannte "Kutschenplatz" auf dem Volpertsberg ( 389m ü.N.N. ), hier wurden der Überlieferung nach bei Herrschaftlichen Jagden die Kutschen der Jagdgäste abgestellt.
Erzählungen zufolge, wurde der "Kutschenplatz" dabei von Dillenburg aus durch das Hustenbachtal entlang der Nordseite des "Volpertsberges" angefahren.

Über diesen Platz führt auch der alte Fußweg von Herborn-Seelbach nach Oberscheld. Vom Hirtenborn heraufkommend, führt er von hier weiter nach Norden steil bergab ins Monzbachtal und von dort weiter das Lohrtal hinauf und hinüber nach Oberscheld.