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Ein paar Bemerkungen vorab
Immer wieder kann man zum Thema Volpertsberg hören, „es sei doch eh‘ schon alles entschieden". Doch diese Einschätzung entbehrt jeder Grundlage. Soweit wir wissen, ist noch nicht einmal der Antrag auf Genehmigung dieses Vorhabens bei den zuständigen Behörden eingereicht worden. Erst damit wird ein entsprechendes Genehmigungsverfahren überhaupt eröffnet. Vielmehr zeigt sich, dass man seitens der Betreiber bemüht ist, Entscheidungen bereits im Vorfeld zu beeinflussen und den Weg dafür an der Öffentlichkeit vorbei zu bahnen. Dazu gehört auch, den Eindruck zu erwecken, das Projekt sei bereits beschlossene Sache und Widerstand sei zwecklos.
Wir sind uns bewusst, dass unser Vorhaben schwierig ist, da diverse Interessengemeinschaften die Steinbrucherweiterung unterstützen. Als mündige Bürger halten wir es trotzdem für unsere Pflicht, für die Interessen der Natur und unserer Umgebung einzutreten.
Wer sagt, dass wir uns in Zeiten wie diesen Naturschutz nicht mehr leisten können, zeigt damit, dass er die Bedeutung und den unverzichtbaren Wert von Schutzräumen noch nicht begriffen hat. Es gibt leider Mitmenschen, die die momentanen Ängste und die schwierige wirtschaftliche Situation dazu nutzen, die Weichen für ihre eigene Zukunft günstig zu stellen. Dennoch und gerade deshalb glauben wir daran, dass wir Bürgerinnen und Bürger für die nachhaltige Gestaltung unseres Lebensraums selbst verantwortlich sind und dazu beitragen können und müssen.
Weil wir als Bürgerinitiative ‚Contra Abbau Volpertsberg‘ primär „für etwas sind“, nämlich den Erhalt des Volpertsberges, ist uns wichtig zu betonen:
· Wir sind keine Gegner des Fortschritts.
· Wir sind nicht gegen Arbeitsplätze.
· Wir sind auch nicht gegen ein heimisches Unternehmen.
Allerdings: Wir glauben nicht, dass das geplante Abbauvorhaben notwendig ist, und wir sind davon überzeugt, dass diese Zerstörung nur sehr wenigen dienen würde, aber sehr viele dadurch viel verlieren. Hier bereichert man sich nach unserer Ansicht unter dem Deckmantel des volkswirtschaftlichen Nutzens an Allgemeingut!
Doch nun zum Thema ...
Es laufen die Planungen für einen weiteren Diabastagebau in der Gemarkung Herborn-Seelbach. Der geplante Neuaufschluss liegt nicht nur inmitten eines ungestörten Waldgebietes, besonders brisant ist auch seine topographische Lage auf der Spitze eines der höchsten Berge der näheren Umgebung.
Defacto hieße die Umsetzung dieses Vorhabens, das die Bergspitze des 426m hohen Volpertsberg in der Mitte geteilt und die östliche Hälfte um ca. 40m abgetragen würde. Von diesem etwa 9ha großen Plateau würde dann ein Hohlkegel weitere rd. 90m (auf 300m ü.N.N.) in die Tiefe gegraben.
Zu diesem, einem „Vulkanschlot“ ähnelnden Loch, müsste auch eine Zufahrtsstraße durch ein ebenfalls bislang unberührtes Waldtal vorgetrieben werden. Um eine möglichst ökonomische Trassenführung aus dem bereits wenige hundert Meter südlich bestehenden Steinbruch „Monzenbach“ zu gewährleisten, möchte man einen Keil in die noch vorhandene Nordseite des Bornberg treiben. So würde man wenige Meter über dem Mermbachtal (ehem. Fahrschulübungsplatz), dieses mit einem Damm kreuzen, um dann entlang dem Moorsgrund Höhe gewinnend das Abbaugelände auf dem Volpertsberg zu erreichen.

Dieser Tagebau soll nach Abschluss der Arbeiten nicht wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Das entstandene Loch würde nur bis auf etwa 360m verfüllt werden. Die verbleibenden Steilwände sollen als potentieller Lebensraum für Felsenbrüter erhalten bleiben. Ein so genannter „Himmelsteich“ ( nur aus Regenwasser gespeist ) wird als weiteres Biotop angelegt.
Letztendlich jedoch bleibt vermutlich ein, einem „Vulkankrater“ ähnelndes Gelände bestehen, das man uns als neues so genanntes Geotop schmackhaft machen möchte. Insgesamt machen die Planungen und die immer wieder kehrenden Verweise auf die scheinbare ökologische Verträglichkeit des Vorhabens den Eindruck, man schaffe hier etwas ganz Hervorragendes für die Natur. Tatsächlich aber vernichtet man ein Stück Natur und schafft Künstliches. Nebenbei gesagt, vernichten die, mit dem dann fehlenden Stück Volpertsberg gebauten Straßen wiederum Natur. Wie lange will man uns eigentlich noch glaubhaft machen, dass diese Eingriffe ausgleichbar sind ?
Aufgrund der aktuellen starken Veränderungen und Eingriffe in die Natur unserer Gemarkung sind wir nicht gewillt weitere Zerstörungen hinzunehmen!
In jüngster Zeit ist nicht nur der Verlust großer Flächen wertvollen Auebodens aufgrund des Baus einer Umgehungsstraße durch die gesamte Flußaue unserer Gemarkung zu beklagen, auch die bereits genehmigte Erweiterung des Diabas Steinbruchs Oberscheld (ebenfalls nur Teil-Rekultivierung geplant!) stellt eine immense Belastung unseres heimischen Raumes dar.
Schützenswerte Landschaft
Unabhängig von den Eingriffen in Flora und Fauna, geht aus dem gleichen Regionalplan, der den Volpertsberg als Abbaugebiet ausweist, dessen hohe Schutzwürdigkeit hervor.
Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) wird der Landschaftsbegriff mehrfach verwendet. Hier heißt es u.a.:
Natur und Landschaft sind aufgrund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen des Menschen [...] zu schützen, zu pflegen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass [...] die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind. [...] und: Die Landschaft ist in ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit auch wegen ihrer Bedeutung als Erlebnis- und Erholungsraum des Menschen zu sichern.
Allerdings scheinen bereits im Regionalplan die Prioriäten vorgegeben. Denn hier steht der Natur - und Landschaftsschutz nur unter "Vorbehalt", dem Abbau der Rohstoffe jedoch wird hier der "Vorrang" bescheinigt.
In welcher besonderen und wertvollen Landschaft wir leben geht aus der Karte der Vorbehaltsgebiete für besondere Landschaftsbildfunktionen hervor ( > Karte als pdf ).
Der "Schelderwald" bildet mit den ihn umgebenden Landschaftsräumen die Kernzone der Großlandschaft "Westlisches Lahn-Dill-Bergland". Unser Landschaftsraum gehört zu den wenigen mit sehr hoher Bedeutung für den Arten und Biotopschutz. ( > Karte )
Die "begutachteten" Auswirkungen dieses Projektes auf die Umwelt halten wir für nicht glaubhaft!
Auch in der Abwägung der Abweichungsentscheidung zum Regionalplan 2001, der wir dieses Vorhaben verdanken, scheint damals nicht oder nur unzureichend auf Besonderheiten des Raumes eingegangen worden zu sein. Natur- und Landschaftsschutz hat heute ein ganz anderes Gewicht, als es dies noch in 2001 hatte. Heute ist nicht primär der Rohstoff, sondern der Schutz von Natur und Landschaft gerade für unsere Region ein bedeutender Faktor für die zukünftige Entwicklung !!!
Wir sind uns der Problematik der Ablehnung eines solches Projektes, auch und gerade unter den momentanen gesamtwirtschaftlichen Bedingungen, sehr wohl bewusst und verschließen auch nicht die Augen vor etwaigen persönlichen wirtschaftlichen Folgen. Trotzdem sind wir, nach den uns vorliegenden Informationen zur Planung und Begründung des Vorhabens, der festen Überzeugung, dass dieses Vorhaben unter allen Umständen zu verhindern ist, da es eine massive und dauerhafte Schädigung von Natur und Landschaft darstellt, deren Folgen nicht einzuschätzen sind.
Mit dem Abtragen der Bergspitze geht aber auch ein Stück Heimat, also ein Kulturgut unwiederbringlich verloren und es wird eine weithin sichtbare, dauerhaft schmerzhafte Narbe in einer (auch im Regionalplan so erfassten) besonders schützenswerten Landschaft zurückbleiben.
Alter Steinbruch Hirtenborn
Unsere Gemarkung wird von scheinbaren
„wirtschaftlichen Notwendigkeiten“ aufgefressen -
dagegen möchten wir uns zur Wehr setzen !
Steinbruch Monzenbach
Steinbruch Oberscheld / Wickenhain
Ansicht von Herborn
Ansicht von Burg
Ansicht von Ballersbach